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RECHTSPOPULISMUS IM EUROPÄISCHEN UND TRANSATLANTISCHEN KONTEXT
Ausschreibung eines RLS-Graduiertenkollegs

Gleichzeitigkeit, Wucht und Geschwindigkeit sind die drei treffendsten Worte, um das derzeit dringliche, globale Phänomen zu beschreiben: den weltweiten, multiple-rechten Durchbruch auch in demokratisch verfassten Gesellschaften. Das Phänomen wird unter dem Begriff „Rechtspopulismus“ verhandelt. Der Begriff selbst ist unscharf, das mit ihm im öffentlichen und wissenschaftlichen Diskurs bezeichnete Spektrum reicht von Propagandaformen der extremen Rechten, über Parteien oder Organisationen bis hin zu Einstellungen. „Rechtspopulismus“ subsumiert somit eine ganze Palette von unterschiedlichen Phänomenen im Spektrum der extremen Rechten: Er wird verbunden mit Personen wie Jörg Haider, Pim Fortuyn, Donald Trump, Marine Le Pen, Geert Wilders und Frauke Petry, ebenso mit autokratischen Herrschern wie dem philippinischen Staatschef Duterte, dem türkischen Präsidenten Erdoğan und Russlands Präsident Putin. Aber selbst Phänomene wie der „Brexit“ und Parolen wie „America First“ werden mit demselben Begriff belegt. Die rasanten Wahlerfolge völkisch-nationalistischer Parteien innerhalb der EU führen dazu, diese ebenso als „rechtspopulistisch“ zu qualifizieren (Front National, FPÖ, AfD, SVP, Wahre Finnen, Sweden Demokraten).

Ein Merkmal gilt als sicheres Erkennungszeichen von Rechtspopulismus: Die antagonistische Gegenüberstellung eines „Volkes“ auf der einen Seite und einer „Elite“ auf der anderen. Die Spezifizierung im Begriff „Rechtspopulismus“ impliziert eine Abgrenzung zu „Populismus“ allgemein, zu „Linkspopulismus“ (etwa in lateinamerikanischen Ländern), aber auch zu „Rechtsextrem“ oder „Rechtsradikal“. Als zentrales Unterscheidungskriterium zwischen einem Rechts- und einem Linkspopulismus gilt die Inklusion bzw. Exklusion von Menschen: Der inkludierende (linke) Populismus bezieht sich auf eine Bevölkerung im Sinne des Demos, wohingegen das Volk im Sinne von Ethnos die zentrale Referenz des exkludierenden (rechten) Populismus ist. Weitaus schwieriger ist es, das Verhältnis zu den jahrzehntelang markanten Begriffen „Rechtsextremismus“ und „Rechtsradikalismus“ der sogenannten wehrhaften Demokratie zu ziehen.

Damit ist zwar noch nicht alles über den Rechtspopulismus gesagt, aber die Zahl der offenen Fragen ist in jedem Fall größer als seine häufig Verwendung in aktuellen Debatten vermuten lässt: Es ist ein sehr schillernder und ein politische Kampfbegriff. Die Stärke und Wirkmächtigkeit der mit ihm bezeichneten sozialen Phänomene machen es aber zwingend, ihn zu fassen. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung richtet aus diesem Grund ein Graduiertenkolleg an der Universität Leipzig und der Universität zu Köln zum „Rechtpopulismus“ ein, in dessen Rahmen ein Habilitationsstipendium sowie fünf Promotionsstipendien vergeben werden.

In diesem Graduiertenkolleg können unterschiedliche empirische und theoretische Forschungsprojekte bearbeitet werden. Es sind dies (1) die Untersuchung zum ideologischen Kernbestand und zu den Wurzeln des Rechtspopulismus, (2) der Vergleich von rechtspopulistischen Phänomenen in unterschiedlichen Ländern, (3) die Analyse der sozio-ökonomischen Strukturen und Bedingungen der Entstehung des Rechtspopulismus, (4) die Erfassung und Analyse der Veränderungen demokratischer Gesellschaften durch den Rechtspopulismus, und (5) die Möglichkeiten von Gegenstrategien und zur Stärkung demokratisch-emanzipatorischer Gesellschaften.

(1) Aus welchen Quellen stammt der ideologische Kernbestand rechtspopulistischer Bewegungen, an welche Traditionslinien und traditionellen Feindbilder knüpft das rechte und populistische Denken an, wie nahe ist es konservativem Denken einerseits und neurechten/neonazistischen/faschistischen Ideologiebeständen oder historischen Formationen völkischer und nationalistischer oder gar nationalsozialistischer Provenienz andererseits? Welche neoliberalen und völkisch-nationalistischen Vorstellungen existieren zu Wirtschafts- und Sozialpolitik? Welchen Stellenwert haben die klassischen Feindbilder (Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, Geflüchtete, Muslime und Muslima, Frauen, LGTBQI, politische Gegner, „Linke“ allgemein, Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, Prekarisierte) im Rechtspopulismus, wie stark sind Verschwörungsideologien Bestandteile der Rhetorik, und welche Rolle spielt die Androhung gewaltförmiger Aktionen? Inwieweit ist eine rechtspopulistische Bewegung auch immer eine Männerbewegung, die sich gegen „Genderterror“, progressive Geschlechterpolitiken, Freiheitsrechte von Frauen, Abtreibungsrecht und sexuelle Selbstbestimmung richtet? Welche Rolle spielen aggressive religiöse Grundannahmen und christlicher Fundamentalismus in dieser Formierung?

(2) Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten lassen sich bei den verschiedenen unter dem Label „Rechtspopulismus“ kategorisierten je nationalen Entwicklungen ausmachen? Worin besteht die ideologische Schnittmenge, welche gemeinsamen Ideologien oder pragmatischen Überlegungen ermöglichen eine transnationale Zusammenarbeit der Parteien am rechten Rand, beispielsweise im Europäischen Parlament oder bei internationalen Treffen? Wie lassen sich die unterschiedlichen Geschwindigkeiten der Entwicklungen rechtspopulistischer/(neo)faschistischer Parteien und Bewegungen in Europa und den USA erklären? In welchem Bedingungsgefüge war eine nachholende und dafür umso rasantere Entwicklung in Deutschland möglich? Warum gibt es in einigen wenigen Staaten keine – oder bei weitem nicht so wirkmächtige – Bewegungen und Parteien am rechten Rand (z.B. Irland, Spanien)? Wie lassen sich die je nationalen Entwicklungen rechter Bürgerbewegungen nachzeichnen, welche historischen Linien lassen sich freilegen, und wie haben sich diese zunächst amorphen und politisch diffusen „Wutbürger“-Bewegungen in den zurückliegenden Jahrzehnten und gegenwärtig formiert und verändert in dem Augenblick, wo sie in Parlamente gewählt und an Regierungen beteiligt wurden?

(3) Was sind ökonomische, soziale, politische, kulturelle Bedingungen für die Entstehung von Rechtspopulismus (mit Rassismus, Antisemitismus, Nationalismus und Neofaschismus), welche Bedeutung kommt dabei einem neuen Autoritarismus, einer (völkischen) Identitätspolitik, bestimmten Strukturveränderungen im politischen Spektrum zu? Inwieweit stehen „soziale Gerechtigkeit“, eine (möglicherweise neue) Klassenfrage und Fragen sozialer, ökonomischer und ökologischer Transformationen hier in einem veränderten Verhältnis zur (parlamentarischen) Demokratie? Welche politischen, ökonomischen und kulturellen Entwicklungen oder gar neuen Klassenkämpfe bilden die Folie zum derzeitigen weltweit zu beobachtenden rechten Durchbruch in den Gesellschaften und ihren demokratischen Repräsentanzen, und inwieweit korrespondieren „rechtspopulistische“ Parolen mit einer messbaren Realität in den betroffenen Ländern (soziale Verwerfungen, Migration, Wohnungsnot, Armut, Abstiegsängste, Sicherheit etc.)?

(4) Wie verändert der „Aufstand der Empörten“ die betroffenen Demokratien, wie reagiert ein politisches Establishment – oder was in Deutschland die „wehrhafte Demokratie“ genannt wird – auf das Aufbegehren von Massen und den Aufstieg rechter, oft völkisch-nationalistisch ausgerichteter und nicht selten in Ansätzen faschistischer Parteien, die in der Regel extrem aggressiv und auch gewaltbereit sind? Welche moderierende oder auch eskalierende spielt dabei die „Vierte Gewalt“ in der Demokratie, die Medien? Wie wirkt sich der Aufstieg rechter Bürgerbewegungen auf die Medien insgesamt aus, welche Rolle spielen dabei das Internet und der „Siegeszug“ der sozialen Medien?

(5) Welche gesellschaftlichen und politischen Gegenstrategien zu dieser Entwicklung lassen sich angesichts je nationaler politischer Traditionen beobachten und vergleichen: Welcher universalistische Kern liegt ihnen zugrunde? Wie könnte ein großer Gegenentwurf zur rechten Erzählung Wirkung entfalten? Welche gesellschaftlichen Gegennarrative gibt es, die – statt auf Ausgrenzung – auf Solidarität, Inklusion, politische Partizipation und Teilhabe setz(t)en? Welche Ansätze sind im Bereich der politischen Bildung hilfreich – im Sinne einer Prävention gegen Rassismus, Nationalismus und Autoritarismus? Und nicht zuletzt: Welche soziale Basis wird von diesen Parteien und Bewegungen von rechts angesprochen? Inwiefern sind Frauen ansprechbar, als Sympathisantinnen, Wählerinnen, Aktivistinnen? Welche Rückwirkungen haben Frauen als (charismatische) Führerinnen rechtspopulistischer Parteien auf die (weibliche) Basis? Gelingt es ihnen, eventuell anders als Männern, zu einem Imagewandel beizutragen, neue soziale Gruppen zu erschließen und möglicherweise zu einer Massenlegitimation beizutragen?

Es können Forschungsprojekte zu diesen fünf Themenfeldern gefördert werden, die vor allem den Zeithorizont vom Ende der 1980er/Anfang der 1990er Jahre bis heute im Blick haben. Als wichtig wird hier die besondere historische Situation betont, die durch die globale Durchsetzung einer neoliberalen Weltwirtschaftsordnung einerseits und dem Ende des Kalten Krieges andererseits gekennzeichnet ist.

Ausgeschrieben werden zu diesen Schwerpunkten 5 Promotionsstipendien und ein Habilitationsstipendium. Das Habilitationsstipendium beinhaltet auch die Koordination des Kollegs (Organisation der 1x pro Semester stattfindenden Kollegtreffen, Absprachen mit den Betreuern der Universitäten Köln und Leipzig sowie (Mit)Organisation der Kollegtagungen. Dafür wird seitens der RLS zusätzlich zum Stipendium 1/8-Stelle TVöD 13 vergeben.

Das Kolleg ist angebunden an die Universitäten Leipzig und Köln und wird betreut von PD Dr. Oliver Decker (Kompetenzzentrums für Rechtsextremismus und Demokratieforschung, Universität Leipzig) und Prof. Gudrun Hentges (Professorin für Politikwissenschaft, Bildungspolitik und politische Bildung, Universität Köln).

Bewerben können sich Doktoranden bzw. Habilitanden aus folgenden Fächern: Soziologie, Politikwissenschaft, Erziehungswissenschaft, Sozialpsychologie, Ethnologie, Soziale Arbeit (sofern ein forschungsbezogener MA abgeschlossen wurde) sowie Geschichtswissenschaft. Die einzureichenden Exposés sollen vergleichend angelegt sein und in den oben umrissenen, durchaus breiten Rahmen passen. Promotionen können auch auf Englisch verfasst werden; Bewerberinnen und Bewerber müssen jedoch Deutschkenntnisse auf B2-Niveau nachweisen.

Eine Präsenz an den Universitäten Leipzig bzw. Köln wird erwartet. Die Teilnahme an den Veranstaltungen im Rahmen des Kollegs ist verpflichtend.

Bewerbungsschluss ist der 15. April 2018; das Kolleg startet am 1.10.2018.

Weitere Informationen zu Bewerbungsunterlagen, erforderlichen Dokumenten und den Anforderungen an das Exposé entnehmen Sie bitte unserer Website.

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Das Just Transition Research Collaborative (JTRC) ist ein gemeinsames Projekt des New Yorker Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung, des United Nations Research Institute for Social Development (UNRISD) und des University of London Institute in Paris (ULIP). Wir freuen uns, als ersten Schritt unserer Zusammenarbeit das WEITERLESEN

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Das Just Transition Research Collaborative (JTRC) ist ein gemeinsames Projekt des New Yorker Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung, des United Nations Research Institute for Social Development (UNRISD) und des University of London Institute in Paris (ULIP). Wir freuen uns, als ersten Schritt unserer Zusammenarbeit das Just Transition(s) Online Forum ankündigen zu können, in dem verschiedene Perspektiven zum Thema einer gerechten Energiewende („Just Transition“) hin zu einer kohlenstoffarmen Entwicklung vorgestellt werden sollen. Wir......
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