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„WIR, DIE VÖLKER”?
Die Vereinten Nationen im siebzigsten Jahr ihres Bestehens
James A. Paul - Oktober 2015

Photo Credit: sanjitbakshi, Flickr

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Von James A. Paul. Vor siebzig Jahren, am 24. Oktober 1945, trat die Charta der Vereinten Nationen in Kraft. Deren Verfasserinnen und Verfasser, imposant als „Wir, die Völker der Vereinten Nationen“ auftretend, verkündeten ihre Entschlossenheit „künftige Generationen vor der Geißel des Krieges zu bewahren“, den „Glauben an universale Menschenrechte zu stärken“, Gerechtigkeit und „die Achtung von internationalen Verträgen und den Grundsätzen des Völkerrechts“ voranzubringen und „sozialen Fortschritt und einen besseren Lebensstandard in größerer Freiheit zu fördern“.

Dieser Jahrestag ist ein angemessener Zeitpunkt dafür, genauer zu betrachten, wie gut die UNO ihren Gründungsidealen gerecht geworden ist und mit welchem Erfolg die internationale Organisation für eine friedlichere, gerechtere, nachhaltigere und demokratischere Welt eingetreten ist.

In dieser Studie zeichnet James A. Paul, Direktor des Global Policy Forums von 1993 bis 2012, die Entwicklung der Vereinten Nationen nach. Er ist einer der Hauptakteure der NGO-Community der UNO und Mitglied in zahlreichen Ausschüssen und Arbeitsgruppen. Zudem hat er unzählige Artikel, Berichte, Positionspapiere und Bücher zu internationalen Beziehungen und globaler Politik geschrieben. Dank seiner jahrzehntelangen Erfahrungen als Befürworter und Beobachter der UNO gelingt Paul die Verbindung von Insider-Wissen mit der angemessenen kritischen Distanz und lässt uns die UNO als fehlerhafte, und doch unverzichtbare Institution begreifen.

Basierend auf einem fundierten Verständnis davon, was die Vereinten Nationen sind und wie sie wirklich funktionieren, gibt diese Studie einen kritischen Überblick über ihre Sozial- und Wirtschaftspolitik. Sie untersucht die Rolle der UN im Kontext der Entkolonialisierung, der Ausgestaltung des Welthandels, der Entwicklungspolitik, der Durchführung von Forschung und Analyse, und der Einberufung wichtiger Weltkonferenzen. Die einflussreichsten Mitgliedstaaten haben in der Geschichte der Vereinten Nationen stets eine dominante Rolle eingenommen. In den letzten Jahren haben außerdem Großunternehmen und Superreiche an Einfluss gewonnen und dafür gesorgt, dass ihre Anliegen und Projekte gefördert werden, während verantwortungsvolle UN-Organisationen mit immer weniger Mitteln auskommen müssen.

Trotz ihrer Schwächen bewahrt sich die UNO eine große öffentliche Legitimation und ist das einzige multilaterale Forum dafür, die unzähligen, unlösbar erscheinenden, regionalen und globalen Krisen und Konflikte in Angriff zu nehmen. Paul schließt seine Studie deshalb mit einem Aufruf zur Erneuerung dieser Institution. Nur eine ausreichend finanzierte, demokratisierte und wiederbelebte UNO kann eine globale Mobilisierung für soziale, ökonomische und ökologische Gerechtigkeit erreichen. Die Stärke, die für eine solche Transformation notwendig ist, wird aber nicht von den Regierungen dieser Welt aufgebracht werden. Vielmehr müssen die Bürger ihrer Mitgliedstaaten – „wir, die Völker“ – zusammenarbeiten, um die Vereinten Nationen als erfolgreiche Kraft für das Gemeinwohl zurückzuerobern.

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