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Lehren aus dem Transformativen Organizing
Steve Williams - März 2013

Mark Parker, flickr

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Von Steve Williams – Der Kapitalismus scheint eine unendliche Fähigkeit zur Erneuerung besitzen. Er hat wirtschaftliche Zusammenbrüche, Weltkriege, soziale Unruhen und (bisher jedenfalls) Umweltzerstörung überlebt. Er gedeiht in liberalen Demokratien ebenso wie in autoritären Diktaturen. Immer wieder haben Kritiker dem Kapitalismus seinen bevorstehenden Untergang vorausgesagt, und jedes Mal haben sie sich geirrt. So wie ein Fluss unaufhaltsam bergab fließt und alle Hindernisse, auf die er trifft, überwindet, so findet der Kapitalismus immer neue Wege, sich zu reproduzieren.

Trotz dieser Elastizität ist die anhaltende Herrschaft des Kapitals durchaus nicht unvermeidlich. Doch die Gegner der Kapitalherrschaft haben sich dieser Herausforderung nicht immer gestellt. Im Gegensatz zur Dynamik und Anpassungsfähigkeit des Kapitalismus ist seine Opposition fragmentiert und schwerfällig. Auch wenn für diesen Zustand nicht zuletzt die jahrzehntelangen neoliberalen Angriffe verantwortlich sind, haben sich die Reaktionen der Linken auf diese Angriffe oft als wenig überzeugend herausgestellt. So sehnen sich manche Linke nach einer Rückkehr zu den Tagen, als die industrielle Arbeiterklasse ein weltgeschichtlicher Akteur war, aber zumindest in der sogenannten entwickelten Welt ist diese Klasse aufgrund von Deindustrialisierung und Automatisierung massiv geschrumpft. Andere haben hieraus abgeleitet, dass das Konzept einer organisierten Arbeiterbewegung selbst überholt sei, ignorieren damit jedoch die zahlreichen Kämpfe am Arbeitsplatz, die weiterhin stattfinden. Wieder andere halten sich für eine selbst ernannte „Avantgarde“ und geben vor, alle Antworten auf Fragen zu haben, die sie mitunter nicht einmal verstehen. Diese Liste ließe sich fortsetzen.

Wie also können die Gegner einer Ordnung, die auf Entfremdung, Beherrschung und Ausbeutung aufgebaut ist, wirkungsvoll handeln? Wir können auf neue Fragen nicht einfach mit alten Konzepten antworten. Wenn die Linke nicht in einem Museum enden möchte, müssen wir stets unsere Annahmen und uns selbst in Frage stellen und unsere Organisationen kontinuierlich reorganisieren.

Jede Re-Organisation beginnt indes mit Organisation. Nur durch die geduldige, aufmerksame Arbeit des Organisierens können wir Zusammenhänge schaffen, die in der Lage sind, eine nachhaltige Gesellschaft aufzubauen, die auf Solidarität, Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit basiert. Damit ein solches Organizing wirksam sein kann, bedarf es mehr als einer unpolitischen und hochspezifischen Analyse dessen, was kurzfristig durchsetzbar scheint. Denn obgleich politische Akteure stets danach streben sollten zu gewinnen, müssen sie es doch auch wagen, von einer besseren Zukunft träumen.

Steve Williams, der Autor dieser Studie, hat in den letzten 15 Jahren als Organizer in Kaliforniens Bay Area gearbeitet. Als Geschäftsführer von „People Organized to Win Employment Rights” (POWER) hat er daran mitgewirkt, eine wachsende Bewegung aufzubauen, die dem Modell des transformative organizing folgt. In seinem Beitrag stützt Williams sich auf seine Erfahrungen mit diesem auf grundlegende Gesellschaftsveränderung angelegten Modell. Diese Transformation kann, wie Williams betont, nicht durch das Festhalten an der alten autoritären, undemokratischen, von der männlichen und weißen Mittelschicht dominierten Politik erreicht werden. Denn nur wenn wir uns auf progressive Art und Weise organisieren, werden wir in der Lage sein, entscheidend voranzukommen.

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